14. Juli 2017

Neue Daten über amerikanische Business Angels

ACA-Umfrage-2017-1

Der amerikanische Verband der Business Angels Netzwerke, die Angel Capital Association (ACA), hat in Zusammenarbeit mit der Wharton University of Pennsylvania und der Organisation Rev 1 Ventures Ergebnisse einer Umfrage veröffentlicht, mit dem Ziel „to put a face on American angels“. Die Studie mit Namen „The American Business Angel“ soll erstmals die Erstellung eines umfangreichen Profils der amerikanischen Business Angels ermöglichen. Die Daten wurden anhand einer Befragung von 1.659 Business Angels erhoben.

Die Befragung zeigt, dass nicht nur Kalifornien Business Angels Land ist. Dort sind 17 % der Angels beheimatet, aber auch die Ostküste punktet. New England (Boston) zählt 12,8 %, New York 7,5 % und Mid Atlantic 10,7 %. Angels sind inzwischen überall in US verbreitet: „Angels appear to be everywhere“. Das Durchschnittsalter der Angels erscheint mit 59 Jahren hoch, nur 23 % sind jünger als 50 Jahre. Gut die Hälfte der Business Angels hat bis zu sieben Jahre Erfahrung mit Investments, aber immerhin 20 % der Angels sind schon 18 Jahre und mehr dabei. Mit 21 % ist der Anteil weiblicher Angels relativ hoch. Hier liegt Europa noch sehr weit zurück.

Die Informationen über den Werdegang amerikanischer Business Angels sind wenig überraschend. Die Mehrzahl hat vom Studium her einen Wirtschaftshintergrund, an zweiter Stelle stehen Ingenieurswissenschaften. Die unternehmerische Erfahrung betrifft bei den meisten eine Tätigkeit im Vorstand oder Management eines größeren Unternehmens, immerhin 28 % haben Start-up Erfahrung. Kontakt zum Angel Investing haben 43 % über Angel Groups bekommen, bei 27 % haben Freunde auf eine Investmentgelegenheit aufmerksam gemacht.

Weitere Erkenntnisse betreffen die Art der getätigten Investitionen. 70 % der Angels investieren am liebsten gemeinsam in Gruppen, 25 % der Angels investieren unabhängig. Mit jeweils drei und zwei Prozent erscheinen Investitionen als Venture Capital Partner oder über Online Plattformen in den USA überraschenderweise eher unbedeutend, was möglicherweise auch darauf zurückzuführen ist, dass wohl die meisten Antworten von Mitgliedern der Angel Groups kamen. Unklar ist bei dieser Frage, wie viele Angels mehr als einen Weg zur Investition nutzen. Im Median hält der Angel sieben Unternehmen in seinem Portfolio, dabei variieren die Portfoliogrößen in der Befragung von 1 bis 106. Festzustellen ist eine eindeutige Korrelation zwischen Portfoliogröße und Dauer der Angeltätigkeit. Die durchschnittliche Höhe der Investitionen der Angels beträgt 35.255$, der Median nur 25.000$ während die größte Investition sich auf 750.000$ beläuft. Die durchschnittliche Höhe an Folgeinvestitionen beträgt 33.147$. Die relativ geringen Einzelinvestitionen erklären sich vermutlich daraus, dass amerikanische Angels meist als Gruppe investieren.

Für 85% der Investoren ist die Qualität des Gründerteams mit Eigenschaften wie Leidenschaft, Vertrauenswürdigkeit und Beratungstoleranz ein entscheidendes Kriterium, für 64 % der Befragten sind es die spezifischen Kenntnisse der jeweiligen Industrie. Interessant ist, dass es deutliche geschlechtsabhängige Präferenzen gibt. So geben 51 % der weiblichen und nur 6 % der männlichen Befragten an, dass das Geschlecht des Unternehmers von großer Bedeutung ist. Den gesellschaftlichen Nutzen (Social Impact) des Unternehmens berücksichtigen 33 % der weiblichen, aber nur 16 % der männlichen Investoren.

Bei der Bewertung der Studie kann man der ACA zunächst ein großes Kompliment machen. Die Behauptung stimmt wahrscheinlich, dass noch nie weltweit so viele Angels sich an einer Umfrage beteiligt haben. Dennoch lassen die Ergebnisse vermuten, dass sie eher das Bild der in Angels Groups organisierten Angels vermitteln als der gesamten US Angel Community. Denn natürlich war die Adressierung der Angel Group Mitglieder für die ACA leichter. Bei nach eigenen Angaben 13.000 Angels in den im ACA organisierten Groups ist die Frage, inwieweit diese auch die nicht Organisierten repräsentieren.

Die Angaben der ACA zur Gesamtzahl der Angels in den USA zeigen, dass man auch den Amerikanern nicht alles glauben darf, was verbreitet wird. Der Studie vorangestellt ist eine „Statistik“, wonach die Zahl der amerikanischen Angels im Jahre 2015 auf 300.000 geschätzt wird. Auf der Website der Befragungskampagne http://www.theamericanangel.org wird die Zahl der US Angels für 2014 hingegen auf 200.000 geschätzt. Niemand wird die Vermehrung um 100.000 Angels binnen einen Jahres für möglich halten. Da hätte schon ein wirklich himmlisches Wunder geschehen müssen.
Löblich ist, dass auch die Amerikaner ansonsten an dieser Stelle bekennen, dass sie eigentlich wenig über Angels wissen. Wir bewegen uns eben auch dort in einem informellen Markt. Die Einsicht in das Nichtwissen, „scio quod nescio“, ist schon seit Sokrates der Anfang der Erkenntnis. Insofern war es richtig, dass sich die Studie bei der Befragung auf qualitative Themen beschränkt hat, ein Weg, den nach einigen Wirrungen letztlich auch die europäische SMART Studie geht, die voraussichtlich Ende des Jahres veröffentlicht wird.

Die Studie kann hier heruntergeladen werden (PDF)

Weitere Informationen http://www.theamericanangel.org/