01. April 2021

„Ein Exit ist ein sehr komplexes Verfahren“ – Dr. Tobias Engelhardt, Business Angel des Jahres 2016, im Interview


BAND Mitglied ENGELHARDT KAUPP KIEFER & Co. haben Ihre Anteile an der Gießharzmanufaktur copaltec mit Sitz in Stuttgart an die Nagel Holding verkauft. Im BAND Gespräch gibt Dr. Tobias Engelhardt, Partner und Gründungsgesellschafter von ENGELHARDT KAUPP KIEFER & Co., Einblicke in den Prozess des Verkaufs und wie sich das Ganze angebahnt hat.

Herzlichen Glückwunsch zum Exit, den Sie in der vorvergangenen Woche kommuniziert haben. Können Sie den Leser einmal abholen wie der Exit Prozess bei copaltec abgelaufen ist?
Copaltec war anders. Wir waren bereits seit 2014 investiert und hatten 2018 einen strategischen Investor mit ’reingenommen – die Nagel Gruppe. Wie alles im Leben hatte das Vor- und Nachteile. Natürlich haben Sie dann jemanden dabei, der sich in der Branche auskennt, der Zugänge liefern kann und Reputation mitbringt, auf der anderen Seite findet die Unternehmensentwicklung dann natürlich nicht mehr so frei und eigenständig statt, sondern ist sehr fokussiert auf die Ziele des strategischen Investors. Wir aus unserer Perspektive haben natürlich das Ziel, das Unternehmen „hübsch und schön“ zu machen und bei einer künftigen Hochzeit teuer zu verkaufen – nicht nur finanziell. Und der Stratege möchte das Unternehmen eher dafür nutzen, seine eigenen Ziele besser zu erreichen. Das ist natürlich oft eine konfliktäre Situation.

Warum haben Sie die Nagel Gruppe seinerzeit mit ’reingenommen?

Nagel ist einer dieser Hidden Champions hier bei uns im Württembergischen. Das Unternehmen  ist Weltmarktführer für Honen, das ist das Herstellen von Superfinish Oberflächen, insbesondere im Bereich von Kolben und Zylindern. Und das Unternehmen hängt mit seinen 1.200 Mitarbeitern zum großen Teil  am Verbrennungsmotor. Vor diesem Hintergrund hat Nagel 2018 bei copaltec die Möglichkeit gesehen, sich ein zweites Standbein in der Elektromobilität aufzubauen. Die Gießharze von Copaltec sind hervorragend darin, Wärme abzuleiten und steigern dadurch die Effizienz von elektrischen Antrieben und Batterien. In den letzten anderthalb Jahren war es dann allerdings so, dass copaltec immer stärker auf Nagel zugeschnitten wurde und die beiden Unternehmen letztlich immer weiter zusammenwuchsen. Vor dem Hintergrund hatte sich also auch die Interessenlage immer ein Stück weiter auseinanderentwickelt. Für uns als Engelhardt, Kaupp, Kiefer & Co. war jetzt der letzte Moment, in dem wir entscheiden konnten, gehen wir links oder rechts herum, also uns so aufzustellen, dass wir eines Tages vielleicht noch an einen Dritten verkaufen könnten. Wenn wir aber über diesen Punkt hinaus sind, dann läuft es so oder so auf Nagel hinaus. Deswegen haben wir gesagt: Dann lass es uns das jetzt vernünftig regeln, was auch sehr einvernehmlich mit der Nagel-Gruppe gelang.

Vielleicht können Sie etwas darüber sagen, was die Zusammenarbeit mit copaltec charakterisiert?
Es war in jedem Fall eine sehr intensive Zusammenarbeit. Andreas Hartwig verfügt über ein unglaubliches technisches Know-how und die beiden Gründer waren hoch engagiert. Aber aufgrund unterschiedlicher Interessenlagen gab es vor allem in kritischen Phasen durchaus auch Konflikte. Auch wir haben dabei sicher Fehler gemacht. Wichtig ist für mich bei der Dauer der Zusammenarbeit die Frage, was uns getragen hat. Uns und mich hat trotz aller Widrigkeiten, die bei so einem langfristigen Projekt nicht unnormal sind – Rückschläge sind da durchaus der Normalfall – eine Grundüberzeugung getragen: Wir haben an die Idee geglaubt, dass das Produkt, das entwickelt wird, signifikanten Nutzen in der Elektromobilität stiften wird und einen hohen Impact hat. Den Glauben an diese Idee haben wir trotz aller Rückschläge nie verloren. 

Wie geht es Ihnen nach dem Exit? Sind Sie froh, dass das Kapitel nun abgeschlossen ist – Stichwort „Widrigkeiten“?
Ja, wir sind schon froh, dass wir das Kapitel erfolgreich beendet haben. Wir haben die Entwicklung begleitet und für das Unternehmen den richtigen Hauptgesellschafter gefunden, der jetzt in der Lage ist, diese Vision, von der ich gerade gesprochen habe, mit dem Team gemeinsam weiter umzusetzen. Wir haben darüber hinaus ein schwäbisch ordentliches Finanzergebnis damit erzielt und können uns damit gut sehen lassen. Wir hoffen, dass wir mit copaltec auch weiterhin noch verbunden bleiben, das ist eigentlich immer unsere Art.

In welchem Rahmen waren Sie bei copaltec überhaupt investiert?
Wir haben einen Minderheitsanteil verkauft und der hat dazu geführt, dass die Nagel Holding jetzt die Mehrheit hat.

Können Sie vielleicht einmal grundsätzlich erzählen worauf Sie in einem Exit-Prozess achten?
Was ist beim Exit grundsätzlich wichtig? Das sind drei Dinge und zwar Timing, Prozess und Wettbewerb. Du musst das richtige Timing haben. Da gilt mein alter Spruch: „Die Marktsituation ist wichtiger als die Unternehmenssituation. Ein „schlechtes Unternehmen“ wirst du in einer guten Situation besser verkaufen, als ein „gutes Unternehmen“ in einer schlechten.“ Das heißt, die Marktsituation muss einfach passen. Dann hat man das Thema Wettbewerb: Das bedeutet, man muss verschiedene Wettbewerber organisieren, die gegeneinander bieten. Und schließlich das Thema Prozess, wo wir natürlich eine gewisse Expertise mitbringen. Ein Exit ist ein sehr komplexes Verfahren, da muss man sehr gut aufgestellt sein, z.B. in puncto Projektmanagement.

Kommen wir noch auf Ihr verbliebenes Portfolio zu sprechen. Wie sind Sie da aktuell aufgestellt?
Wir haben in unserem Portfolio eigentlich immer zwischen acht und zwölf Unternehmen. Aktuell nach dem Verkauf von copaltec haben wir tatsächlich nur noch fünf. Gründe dafür? Eigentlich wollten wir vergangenes Jahr drei Beteiligungen eingehen, haben aber nur eine realisiert. Dann haben wir copaltec eher verkauft und ehrlicherweise tun wir uns zurzeit auch nicht ganz einfach damit, Unternehmen zu finden, die vom Team, vom Geschäftsmodell und der Wachstumsperspektive passen und schließlich uns mit den Gründern und Unternehmern auch noch auf die Konditionen unseres Einstiegs zu einigen, damit am Ende des Tages für alle ein Schuh draus wird. Wir verdienen seit 20 Jahren mit unserem Ansatz Geld und das soll auch so bleiben.

Vielen Dank für die spannenden Einblicke, Herr Dr. Engelhardt.  

Die Pressemitteilung zum erfolgreichen Exit von ENGELHARDT KAUPP KIEFER & Co. finden Sie hier.