04. Oktober 2017

Business Angels und Crowdinvesting: „Ich war bei der Zusammenarbeit positiv überrascht.“

Interview mit Dr. Tobias Engelhardt Human in Crowd

Dr. Tobias Engelhardt Dr. Tobias Engelhardtinvestiert seit über 25 Jahren in Unternehmen unterschiedlicher Phasen. Er realisierte Finanzierungen von rund 100 Unternehmen. Seit rund 15 Jahren liegt der Schwerpunkt auf Start-ups und Unternehmen in der Wachstumsphase. 2016 wurde er von Business Angels Netzwerk Deutschland e.V. (BAND) mit der „Goldenen Nase“ ausgezeichnet und ist seitdem Mitglied im BAND „Heaven of Fame“. Vorgeschlagen wurde er von Andreas Hartwig, Geschäftsführer von Copaltec.

Cristin Liekfeldt von BANDmitglied Companisto hat exklusiv für BAND mit Dr. Tobias Engelhardt über seine Erfahrung als Investor sowie Anschlussfinanzierungen durch Crowdinvesting gesprochen.

Cristin Liekfeldt: Herr Dr. Engelhardt, was fasziniert Sie an Angel Investments?

Dr. Tobias Engelhardt: Wir bauen Unternehmen auf. Anfangs habe ich in Berlin in Unternehmen mit Sanierungsbedarf investiert und war ab 2000 dann im Bereich Venture Capital tätig. Als Fondsmanager hatte ich jeden Tag sehr viel Zeit mit Investoren und der Verwaltung zugebracht, was mir dann irgendwann nicht mehr reichte. Mit EKKUB (Dr. Engelhardt, Kaupp, Kiefer Beteiligungsberatung GmbH, Anm. d. Red.) investieren wir unser eigenes Geld und das von family & friends. Und wir konzentrieren uns ganz auf den Aufbau von Unternehmen, die uns überzeugen. Diese Arbeit ist viel selbstbestimmter und macht viel Spaß.

Liekfeldt: Das Startup Copaltec haben Sie vor mittlerweile drei Jahren kennengelernt. Warum haben sie in die Gründer und ihr Unternehmen investiert?

Engelhardt: Grundsätzlich investieren wir in Start-ups, die sich in der Early-Growth-Phase befinden. Das heißt, die für uns interessanten Unternehmen haben schon Umsätze und ein valides Geschäftsmodell. Das Wichtigste bei einem Investment in Start-ups ist natürlich das Team. Andreas Hartwig entwickelt seit 13 Jahren Gießharze und begeistert sich für dieses Thema. Außerdem weist das Unternehmen einen klaren und quantifizierbaren Nutzen auf. Die Elektrik wird immer kleiner und leistungsfähiger, woraus mehr Wärme resultiert. Dass mit dieser Wärme irgendetwas passieren muss, ist logisch. Die Elektrogießharze senken z.B. die Kosten von Antrieben von Elektrofahrzeugen um über 20 Prozent. Der Nutzen liegt hier also klar auf der Hand.

Liekfeldt: Bei der Anschlussfinanzierung für Copaltec über Companisto haben Sie das erste Mal Crowdinvesting kennengelernt. Sind Sie vorher schon einmal mit dem Thema in Berührung gekommen?

Engelhardt: In Berührung gekommen bin ich damit schon vorher, allerdings habe ich mir die Prozesse hier nicht intensiver angesehen. Ich war allerdings bei der Zusammenarbeit positiv überrascht. Crowdinvesting stellt eine echte Finanzierungsalternative in bestimmten Situationen dar. Venture Capital in Deutschland funktioniert ja nur sehr eingeschränkt. Hauptgrund ist, dass im Vergleich zu Amerika Exits wesentlich schwieriger sind und deutlich geringere Bewertungen aufweisen. Das liegt unter anderem an einem kleineren Markt, der langsameren Umsetzung von Innovationen und natürlich auch an nur begrenzt vorhandenen Exitkanälen. Es ist einfach schwieriger, in Deutschland ein Unternehmen mit 100 Mio. Euro Bewertung aufzubauen als in Amerika. Daran liegt es auch hauptsächlich, dass es in Deutschland viel weniger Venture Capital gibt - gemessen an relativen Größen wie dem Bruttosozialprodukt. Venture Capital ist im Kern die Wette auf einen Exit mit einer guten Bewertung. Wir wetten nicht auf Unternehmen, sondern bauen sie auf. Copaltec kann in wenigen Jahren 30 Millionen Euro Umsatz machen, aber eben keine 100 Millionen, wie es ein VC für sein Geschäftsmodell braucht.

Liekfeldt: Wie schätzen Sie die Zusammenarbeit mit Companisto bezüglich der Anschlussfinanzierung von Copaltec ein?

Engelhardt: Mich hat vor allem die Schnelligkeit überrascht. Anfang Juni hatten wir das Kickoff-Meeting mit Companisto, drei Wochen später startete die Kampagne. Ich finde das Gesamtmodell außerdem gut; die Beteiligung ist gut ausgearbeitet und auch der Bereich Q&A (Fragen und Antworten, Anm.d.Red.). Die Finanzierung für Copaltec hat sehr gut funktioniert und wir sprechen gerade über eine erneute Zusammenarbeit mit einem anderen Hochtechnologie-Unternehmen. Copaltec ausgenommen finde ich die Bewertungen auf den Crowdinvesting-Plattformen manchmal jedoch recht sportlich. Die Informationslage der Crowdinvestoren ist gut, aber ich bin noch nicht sicher, ob das auch ausreichend ist. Insgesamt halte ich Crowdinvesting gerade wegen der Venture-Capital-Lücke in Deutschland für eine valide Alternative.

Liekfeldt: Haben Sie denn Tipps für die Crowdinvestoren? Was überzeugt Sie bei den Unternehmen, in die Sie investieren?

Engelhardt: Vor allem drei Dinge sind wichtig: das Team, das Team und das Team. Hier sollten Investoren wirklich herausfinden, was die Gründer antreibt, ob sie wirklich nachhaltig und ernsthaft an einem Thema interessiert sind. Schaffen sie es und haben sie vor allem ein Interesse und die langfristige Motivation, einer Idee zum Durchbruch zu verhelfen? Außerdem sollte der Nutzen groß, einfach, nachvollziehbar und quantifizierbar sein. Und der letzte Punkt: Die Marktentwicklung des jeweiligen Segments sollte dem Start-up Rückenwind geben und sich mit dem Produkt decken.

Zur Autorin: Das Interview führte Cristin Liekfeldt. Sie ist Head of Content bei Companisto und verantwortet die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, sowie die Akademie für Investoren und den Companisto Blog.

Dieser Artikel ist auch Teil des BAND Best Practice Koffers