03. Juli 2020

Buchvorstellung: „Erlebtes zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, vornehmlich mit Viroiden, Prionen und Qiagen“


Detlev Riesner, emeritierter Professor für Physikalische Biologie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, ist nicht nur ein international hoch renommierter Wissenschaftler, sondern auch Gründer des Biotech Unternehmens Qiagen und er ist Business Angel. In seinem Buch „Erlebtes zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, vornehmlich mit Viroiden, Prionen und Qiagen“ erzählt er, verpackt in humorigen Anekdoten und leicht zu lesen, nicht nur, wie er als Wissenschaftler auch Gründer und Business Angel wurde. Vielmehr lässt er anhand seiner Geschichte erkennen, dass Erfolg stark davon abhängt, zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Menschen zusammenzuarbeiten und deren Qualitäten anzuerkennen. So liest sich das Buch zum Teil auch wie ein „Who is Who“ der modernen Biotechnologie.

Als Wissenschaftler gehört Riesner zu den herausragenden Pionieren der Erforschung von infektiösen Molekülen, den Viroiden und Prionen, einer Erregerklasse, die lange für unmöglich gehalten wurde, weil sie kein genetisches Material aus Nukleinsäure besitzt. Die Grundlagenforschung Riesners und seiner drei Doktoranden Colpan, Henco und Schumacher war 1985 Basis für die gemeinsame Gründung von Qiagen (damals noch unter dem Namen Diagen), das unlängst für mehr als 10 Mrd. Euro vom US Laborausstatter Thermo Fisher übernommen worden ist.

Im Rahmen seiner Tätigkeit als Hochschulprofessor hat Riesner alle Funktionen bis hin zum Rektor bekleidet. Als Mäzen zwischen Wissenschaft und Entrepreneurship war er maßgeblich beteiligt an einer Stiftung für seine Hochschule sowie an der Finanzierung des Zentrums für Synthetische Lebenswissenschaften an der Düsseldorfer Universität, das symbolhaft die Form eines X-Chromosoms hat und das den Ehrentitel „The Riesner Building“ trägt

Als Business Angel hat sich Riesner an mehreren Biotech-Unternehmen beteiligt. Wie hilfreich dabei seine Fähigkeit als Moderator ist, schildert eine Anekdote über die Firma Direvo. Hier musste er im Aufsichtsrat einspringen, weil sein Doktorvater und Gründer von Direvo, Nobelpreisträger Professor Manfred Eigen, aus berechtigter Verärgerung das Mandat niedergelegt hatte. Riesner gelang es, die zerstrittenen Parteien wieder zusammenzubringen und den drohenden Absturz des Unternehmens zu vermeiden, sodass es einige Zeit später gewinnbringend an Bayer verkauft werden konnte.

Riesner ist akkreditierter Angel Investor beim European Angels Funds (EAF) und lobt das vom EAF praktizierte Co-Investing Treuhandmodell. Für wen sein Herz schlägt, zeigt sein Verhalten in Fällen, in denen Gründer mit ihren gevesteten Anteilen herausgedrängt werden sollten: „Wie soll ich Gründungswillige weiter incentivieren, wenn ich dem Herauswaschen der Gründer zugestimmt hätte?“ (S.95f)

Für sich als Biotechnology Business Angel hat Riesner scherzhaft den Begriff „Biobusang“ geprägt. Unter diesem Titel schildert er in einem Schlusskapitel (das zum ersten Mal im vom BAND herausgegebenen „Leitfaden für Business Angels II“ abgedruckt worden ist) ohne erhobenen Zeigefinger seine Erfahrungen mit den „Does and Don’ts“ eines Business Angels.

Wer das Buch von Detlev Riesner gelesen hat, kann nur einen Schluss ziehen: Von solchen Lebensläufen bräuchten wir viel mehr. Und, obwohl dies nie ausdrücklich gesagt wird: Es ist ein Aufruf an Wissenschaftler, das Thema Gründung zu ihrer Sache zu machen.

Detlev Riesner, Erlebtes zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, vornehmlich mit Viroiden, Prionen und Qiagen“, Düsseldorf 2020

Foto: monticellllo@Adobestock