26. Juni 2013

Privates Kapital für die Zukunft der Volkswirtschaft mobilisieren

Vorschläge für die Stärkung des Business Angels Marktes in Deutschland

  1. Business Angels als Schlüssel für wirtschaftliche Zukunft
    Business Angels investieren Kapital und Know-how in junge innovative Unternehmen (zwei Flügel!) und gehören zu den wichtigsten Frühphasenfinanzierern. Weil Business Angels als Privatpersonen agieren, wird die Strukturrelevanz der ca. 5000 Business Angels in Deutschland als Schlüssel für wirtschaftliches Wachstum und die Zukunft unserer Volkswirtschaft oft verkannt. Business Angels gehen ihre Engagements ohne jede Absicherung des erheblichen Verlustrisikos ein. Allein der Spaß an der Begleitung des jungen Unternehmens kann dieses Risiko nicht aufwiegen, vielmehr bedarf es einen sicheren Rechtsumfelds für die Investition und akzeptabler Rahmenbedingungen.
  2. Investitionszuschuss Wagniskapital bringt Belebung
    Mit dem Investitionszuschuss Wagniskapital findet in Deutschland erstmals eine politische Anerkennung der Bedeutung von Business Angels für unsere wirtschaftliche Zukunft statt. Auch bei der Diskussion um die Besteuerung von Streubesitzanteilen war dies spürbar. Die große Zahl der Anträge sowohl von Start-ups als auch von Business Angels sofort nach dem Start des Investitionszuschusses lässt erwarten, dass die bereits aktiven Business Angels ihr Investitionsvolumen erhöhen werden und viele neue Business Angels hinzugewonnen werden können. Dies ist im Interesse der Gründer mit innovativen Ideen notwendig. Zwar muss die Finanzierung von Start-ups immer auch als Auswahlprozess der vermutlich am Markt erfolgreichen verstanden werden, zurzeit ist der Weg zur Finanzierung jedoch oft zu dornen-reich und viele gute Geschäftsideen bleiben mangels ausreichender Finanzierung auf der Strecke.
  3. Qualifizierung ist unverzichtbar
    Wenn, u.a. ausgelöst durch den Investitionszuschuss, neue Business Angels zum Markt hin-zustoßen, sollten sie durch ein nachhaltig angelegtes Qualifizierungsprojekt auf diese Enga-gements vorbereitet werden. Da niemand als Business Angel geboren wird und diese Qualifikation auch nicht durch ein Studium erlangt werden kann, besteht sonst die Gefahr, dass entweder der Investor mit falschem Verhalten dem investierten Unternehmen schadet oder sein Kapital in ein wenig qualifiziertes Start-up investiert wird und der Verlust vorprogrammiert ist. Solche Investor Readiness Programme sind z.B. in Großbritannien und Frankreich seit längerem aufgelegt. In Deutschland fehlen für ein langfristig angelegtes Investor Readiness Programm die Mittel. Notwendig wäre außerdem ein parallel angelegtes Investment Readiness Programm für Start-ups, um den oft technologiegetriebenen Unternehmern die Welt der Finanzierung nahe zu bringen. BAND wird im August 2013 eine „BAND Deutschland Rallye – IVZ Readiness“ organisieren, die in einer Woche an fünf Standorten Station macht.
  4. Die Arbeit der Netzwerke stärken
    Dass viele Business Angels sich bisher eher im Verborgenen halten und nur etwa ein Drittel einem Business Angels Netzwerk angehört, bedeutet nicht, dass Business Angels Netzwerke verzichtbar wären. Sie bilden die sichtbare Spitze des Eisbergs und erfüllen damit eine wichtige Öffentlichkeitsfunktion, sie sind oft erste Anlaufstelle für die Start-ups und für neu beginnende Investoren, sie sind Ort der Syndizierung und bieten Hilfen bei den ersten Schrit-ten als Business Angel. Die Arbeit vieler Netzwerke steht oft auf finanziell schwachen Füßen, so dass die Organisationsarbeit meist ehrenamtlich oder in Teilzeit erfüllt werden muss. Viele Netzwerke mussten daher ihre Arbeit in der Vergangenheit sogar einstellen, so dass die Zahl der Netzwerke in Deutschland niemals über 40 gestiegen ist. Dadurch wird das Potential, das Netzwerke haben könnten, bei weitem nicht ausgeschöpft. Hier sind die Länder gefordert. Mit relativ geringen Mitteln könnten sie einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Netzwerkarbeit leisten.
  5. Transparenz durch statistische Datenerhebung und Forschung
    In Deutschland agieren viele Business Angels einzeln oder in diskreten Zirkeln, so dass der Markt nicht transparent ist. Alle bekannten Zahlen beruhen auf Schätzungen. Das erschwert nicht nur die Öffentlichkeitsarbeit sondern auch die korrekte politische Bewertung dieses Marktes und die Erfolgskontrolle von politischen Maßnahmen. Der Statistik- und For-schungsbedarf ist daher enorm. Transparenz ist gefragt und sollte durch kontinuierliche Datenerhebung und Forschung angestrebt werden. BAND wird diese Problematik aufgreifen und im Dezember sowohl das erste „Business Angels Statistik- und Forschungssymposion“ als auch den ersten „Business Angels Europe Research and Data Congress“ organisieren.
  6. Rahmenbedingungen klären und stärken
    Der Investitionszuschuss ist richtig strukturiert und als ein Signal zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Frühphaseninvestitionen in junge Unternehmen zu begreifen. Darauf aufbauend sollten in der nächsten Wahlperiode die Probleme des Verlustvortrags aufgegriffen werden, das Roll-over ermöglicht werden, die Besteuerung von Veräußerungsge-winnen reduziert und im Hinblick auf die Gewerblichkeit für die Tätigkeit eines Business An-gels eine rechtssichere und praxisgerechte Lösung gefunden werden. Wichtige Schritte sind getan; die Messlatte, die Großbritannien und andere setzen, ist jedoch noch lange nicht erreicht.