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Interview mit Dominik Neumüller (Bayern Kapital)
Bayern Kapital ist der VC des Freistaats. Mit 1,3 Mrd. Euro Assets under Management investiert Bayern Kapital ab der Pre-Seed-Phase und bis in den Scale-up-Bereich. Der Fokus: B2B-Hightech- und DeepTech-Start-ups mit Sitz in Bayern. Im Interview spricht Dominik Neumüller, Investor Relations Manager bei Bayern Kapital, über die Investmentstrategie eines der aktivsten VCs der DACH–Region – und wie sie operativ mit Business Angels zusammenarbeiten.
22. Oktober 2026 | BAND News

Lieber Dominik – Bayern Kapital ist institutioneller Investor. Wann und wo steigt ihr ein?
Antwort: Wir investieren entlang des gesamten Startup-Lebenszyklus. Wir können schon ab Pre-Seed- bzw. Seed-Runden Runden einsteigen und Startups Seed, Series-A, Series-B begleiten, bis in den Scale-up-Bereich. Bis zu 50 Millionen Euro können wir pro Unternehmen investieren. Wir sind branchenagnostisch unterwegs. Von Life Sciences über SpaceTech bis zu Quantentechnologie schauen wir uns ein breites Spektrum an. Voraussetzung: Der Firmensitz oder eine wesentliche Betriebsstätte, eine Tochtergesellschaft, eine Niederlassung oder ähnliches ist in Bayern.
Der Freistaat gilt aktuell als spannender Technologiestandort für Startups. Worauf achtet ihr bei der Evaluierung von Investment-Opportunitäten besonders?
Antwort: Bei den Gründern achten wir auf ein Team mit komplementären Skillsets. Für Folgeinvestments halten wir Coachability, die Offenheit für Beratung auf Seiten der Gründer, für erfolgskritisch. Produktseitig schauen wir bei den technologischen USPs, dem Geschäftsmodell und der Go-To-Market-Strategie sehr genau hin. Wichtig ist uns außerdem eine follow-on-fähige Gesellschafterliste – Zusammensetzung, Anteilsverteilung, fachlich versierte bzw. erfahrene Mitinvestoren. Unsere erfolgreichsten Fälle haben rückwirkend betrachtet in vielen oder allen dieser Punkte geglänzt.
Und im Gegenzug: Was sind „Red Flags“, bei denen ihr lieber nicht investiert?
Antwort: Es kann unterschiedlichste Gründe haben, warum ein Investor absagt. Wir klinken uns aus, wenn wir keinen Kundennutzen sehen bzw. die Lösung zwar technisch spannend ist, aber kein echtes Problem auf Kundenseite löst. Skalierbarkeit und ausreichende Zielmarktgröße sind hier wichtige Stichworte. Wenn Gründerteam oder Konsortium unzureichend bzw. branchenfremd aufgestellt sind, kann das ebenfalls problematisch sein. Außerdem machen wir uns gern ein Bild davon, wie akkurat und zuverlässig die Gründer ihr grundsätzliches Rüstzeug – Data Room, Reporting, Finanzplanung und -controlling – im Griff haben. Wer hier nicht ordentlich ist, nimmt es vielleicht auch an anderer Stelle nicht so genau.
Der Sweet Spot für erfolgreiche Deals liegt also irgendwo dazwischen. Da drängt sich die Frage auf: Wo findet ihr die wirklich spannenden Gründerteams?
Antwort: Unser Dealsourcing speist sich aus verschiedenen Quellen. Wir sind in Kontakt mit den bayerischen Hochschulen und den digitalen Gründerzentren, sowie mit etablierten Startup-Netzwerken wie BayStartUP. Unser Analysten-Team screent einschlägige Datenbanken, LinkedIn, Medien etc. Viele interessante Bekanntschaften machen wir außerdem auf Messen und Szene-Events. Und natürlich sind wir in aktivem Austausch mit unserem Investorennetzwerk; Mitinvestoren vergangener
Fälle nehmen uns bei spannenden Cases gerne mit an Bord und machen Intros zu Teams, die im Fundraising sind.
Mitinvestoren - ein wichtiges Stichwort. Welche Rolle spielen Business Angels auf der Investmentseite für euch?
Antwort: Als öffentlicher VC investieren wir immer Konsortium mit privaten Investoren, nach dem pari-passu-Prinzip. Neben anderen VCs, CVCs oder Family Offices sind das in frühen Phasen in der Regel Business Angels. Manchmal sind wir in ansonsten Angels-Only-Runden der erste institutionelle Investor. Für uns sind Business Angel damit wertvolle Co-Investoren, die früh großes Risiko übernehmen und dem Startup idealerweise durch Coaching und Kontakte spürbaren Mehrwert stiften.
Umgekehrt gibt es Business Angels, die skeptisch auf den Einstieg institutioneller VCs schauen. Sie haben die Sorge, vom Tisch gedrängt zu werden. Zurecht?
Antwort: Unbestreitbar ist, dass es VCs gibt, die ein Pooling forcieren und Gesellschafter am liebsten auskaufen. Davon sind teilweise in späteren Runden nicht nur Angels, sondern auch Frühphasen-VCs betroffen. Genauso richtig, dass es auf Angel-Seite zwischen passiven Gesellschaftern und Beiratsvorsitzenden eine recht große Spannbreite des Mitwirkungsanspruchs gibt. Zu viele Alphatiere im Konsortium können ein Unternehmen zerreißen. Als (Pre)-Seed-Investor haben wir gleichgerichtete Interessen. Unser Credo ist deshalb, sachlich und lösungsorientiert zu diskutieren: Wo geht die Reise hin? Wie lässt sich das Unternehmen ungeachtet von Individualbefindlichkeiten optimal aufstellen? Wie können wir sicherstellen, dass z.B. Informationsinteressen der Angel auch später gewahrt bleiben? Erfahrene Business Angels wissen in der Regel, dass sich ihre Rolle im Zuge des Wachstums ändert. Wir sind überzeugt: Auch in späteren Phasen kann ein Angel mit wertvollen Kontakten oder etwa schneller, konstruktiver Mitwirkung bei Gesellschafterbeschlüsse, dem Startup weiterhelfen.
Business Angels entscheiden in der Regel sehr schnell und dynamisch. Institutionelle Investoren agieren im Vergleich eher langsam und bürokratisch. Wie bringt ihr diese Welten zusammen?
Antwort: Ein Fonds hat natürlich andere Compliance-Anforderungen als ein einzelner Business Angel, der „einfach nur“ sein Portemonnaie öffnen muss. Die vermeintlich lästigen Zwischenschritte des Institutionellen – eine Tech Due Diligence, das Setup langfristig VC-tragfähiger Verträge, Kundenreferenzgespräche – zielen eben gerade nicht darauf, möglichst schnell eine Finanzierung abzuschließen, sondern eine langfristig tragfähige Struktur, eine Governance für Follow-on-Fähigkeit zu installieren. Unsere Erfahrung zeigt, dass sich dieses Zeitinvestment als Teil des Risikomanagements perspektivisch auszahlt. Und dass viele Angel letztlich froh sind, wenn sich jemand um diese eher mühseligen strukturellen Themen kümmert.
Also habt ihr die gleichen Prozesse wie ein privater VC-Fonds?
Antwort: Wir investieren genauso renditeorientiert mit den VC-üblichen Returnerwartungen und Konditionen. Operativ agieren wir wie eine eigenständige Managementgesellschaft. Aber wir haben nicht den Druck eines festen Fondszyklus. Deshalb können wir auch komplexe bzw. forschungsintensive Geschäftsmodelle wie DeepTech über längere Zeiträume begleiten. Das ist auch unser Selbstverständnis als Ankerinvestor: Wir committen uns sehr früh, denken langfristig und bringen Stabilität ins Konsortium. Gerade in frühen Phasen können wir einen erheblichen Teil des Risikos tragen. Wir helfen bei der Strukturierung der Runde und bringen Erfahrungswerte aus über 30 Jahren VC-Geschäft ein.
Was bedeutet das für deine Rolle als IR-Manager?
Antwort: Im Fokus liegt Matchmaking. Wir schließen rund 50 Deals im Jahr ab. Wir sehen also permanent interessante Teams, die sich im Fundraising befinden, und unterstützen sie mit eigenem Netzwerk und Investorenkontakten. Wesentlicher Teil meiner Arbeit ist, zu verstehen, welche Investoren in welchen Größenordnungen gerade in welche Themen investieren. Dann können wir gezielt Intros machen und Deals vermitteln. Darin steckt eine Menge Netzwerk- und Vertrauensarbeit.
Wir sehen zuletzt Mega-Deals in Deutschland, inklusive Finanzierungsrunden im Milliardenbereich. Wie schaut ihr auf die aktuelle VC-Landschaft in Deutschland?
Antwort: Solche großen Runden sind weiterhin die Ausnahme. Sie bringen der Branche Sichtbarkeit, allerdings ergibt sich auch ein Klumpenrisiko, wenn sich ein Großteil des investierten Venture Capital auf einige wenige Hype-Unternehmen
konzentriert. Sie zeigen aber, dass sich die VC-Branche insgesamt in den vergangenen Jahren deutlich professionalisiert hat. Das gilt auch im Early-Stage: Angels arbeiten früher und enger mit Institutionellen zusammen, syndizieren häufiger mit anderen Angels oder sind kollaborativ als schlagkräftige Angel Groups aktiv. Wir sehen auch zunehmend Gründer, die erfolgreiche Exits gemacht haben und erneut gründen oder selbst als Angel aktiv sind. Die Voraussetzungen beschleunigen Wachstum und schaffen früh Follow-on-Fähigkeit. Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Gesamtlage und des weiterhin eher zurückhaltenden Exit-Marktes sind wir deshalb grundsätzlich positiv gestimmt.
Wie kann man mit euch in Kontakt kommen?
Antwort: Investoren, die sich für die bayerische Hightech- und Deeptech-Szene interessieren, können sich gerne direkt bei mir melden: neumueller@bayernkapital.de
Danke dir, lieber Dominik, für das Gespräch.

