27. Mai 2013

Es geht um die Wirtschaft des 21. Jahrhunderts

  1. Die meisten großen Konzerne und Mittelständler in Deutschland sind im 19. und 20. Jahrhundert entstanden, mit den Technologien der damaligen Zeit. Siemens und Krupp hatten da-mals private Finanziers, sonst wären aus ihnen nie Weltkonzerne geworden.Die Wirtschaft des 21. Jahrhunderts entsteht jetzt: es sind diejenigen Start-ups, die mit disruptiven Innovationen die Märkte und die Lebensgewohnheiten verändern. Viele der besten innovativen Ideen werden in Deutschland geboren. Dass dennoch fast alle bedeutenden innovativen Firmen unserer Zeit in den USA beheimatet sind, hat als wichtigen Grund die dortigen Finanzierungsstrukturen. Sie sind denen in Europa und Deutschland weit überlegen.
  2. Woran es in Deutschland mangelt, ist nicht ein Mangel an Gründungsförderstrukturen oder ein Mangel an öffentlichen Finanzinstrumenten. Geweckt werden muss der schlafende Riese des privaten Kapitals.
  3. Privates Kapital finanziert innovative Start-ups vor allem in zwei Gestaltungsformen: durch Business Angels, die mit eigenen Mitteln den Gründern meist in der risikoreichsten ganz frühen Phase Kapital zur Verfügung stellen, und durch Venture Capital in Gestalt von Fonds, die paral-lel dazu oder anschließend finanzieren. Business Angels stehen dabei zusätzlich mit ihrem unternehmerischen Know-how den Gründern hilfreich zur Seite (zwei Flügel!), aber auch die Erfahrung des Managements der Venture Capital Fonds hat schon viele Gründungen vor dem „Aus“ gerettet.
  4. Venture Capital und Business Angels sind keine Konkurrenten, sondern Partner. Nicht nur, wenn sie gemeinsam investieren, auch in der Finanzierungskette, in der die Finanzierung eines Investors auf den Leistungen und Unterstützungsmaßnahmen des jeweils anderen für das Start-up aufbaut, sind sie aufeinander angewiesen. Die Erstfinanzierung durch den Business Angel führt nicht weiter, wenn die notwendige Folgerunde ausbleibt, und eine Folgerunde setzt voraus, dass das Gründungsunternehmen mit Hilfe der Erstfinanzierung erste Meilensteine erreicht hat.
  5. BVK und BAND sind sich daher einig, dass nur der faire Umgang der Investoren miteinander - genauso wie mit den Gründern - letztlich zum Erfolg führt. Das Ausspielen von Marktmacht eines Investors gefährdet auf Dauer das gesamte Finanzierungsgebäude und damit auch alle Investorenklassen.
  6. Weil in der oft komplexen Finanzierungskette die Glieder in der Zeitabfolge ineinandergreifen, haben alle - und vor allem das Gründungsunternehmen - ein Interesse daran, dass die Kette nicht reißt. Deswegen müssen alle Investitionsformen Rahmenbedingungen vorfinden, die im internationalen Vergleich standhalten können.
  7. BAND und der BVK erkennen an, dass im Hinblick auf Business Angels mit dem Investitions-zuschuss Wagniskapital, der Abwehr der Besteuerung von Streubesitz beim Veräußerungsge-winn und mit dem European Angels Fund in letzter Zeit erkennbar geworden ist, dass die volkswirtschaftlich Bedeutung von Business Angels zunehmend Akzeptanz findet. Damit sind die Vergleichsmarken etwa von Großbritannien nicht erreicht, aber es sind doch Zeichen gesetzt.
  8. Die Rahmenbedingungen für Venture Capital sind in Deutschland freilich nach wie vor völlig unbefriedigend. Finanzierungen durch ausländische Investoren, die angesichts der guten Quali-tät deutscher innovativer Gründungsunternehmen mehr und mehr zunehmen, sind kein Ersatz für eine funktionierende deutsche VC Industrie. Schon deshalb nicht, weil das über kurz oder lang auch den Abzug des Unternehmens aus Deutschland bedeuten kann und damit zu einer Schwächung des Standorts führt.
  9. BAND unterstützt daher die Vorschläge des BVK in vollem Umgang, die Rahmenbedingun-gen für Venture Capital in Deutschland zu verbessern und die Arbeit auf eine rechtssichere Basis zu stellen. Umgekehrt ist sich der BVK mit BAND einig in der Notwendigkeit, mehr Busi-ness Angels zu gewinnen und sie durch Qualifizierung auf den Markt vorzubereiten.
  10. Eine gute Finanzierungsstruktur für innovative Gründungsunternehmen ist eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass Deutschland im 21. Jahrhundert eine Wirtschaft vorweist, die die Technologien von heute und morgen zur Basis ihrer Produkte und Dienstleistungen macht und die Chance hat, die Erfolgsgeschichten der klassischen deutschen Industrie in der Welt fortzusetzen. Wie die Ergebnisse aussehen können, zeigen die USA, wie man die Rahmenbedingungen in diese Richtung umbauen kann, zeigt Großbritannien. Satz der britischen Regierung zu diesem Thema: „…making the UK the best place in Europe to start, finance and grow a business“* , sollte Ansporn für die deutsche Politik sein, sich ähnliche Ziele zueigen zu machen.
* HM Treasury: The Plan for Growth, March 2011