01. Juni 2018

Business Angels Panel Nr. 65 (1. Quartal 2018)

Informelle Gründungsförderer geben gerne Geld für die Herausforderer klassischer Banken 40_Seiten_LAYOUT_S00024

Fintechs im Fokus40_Seiten_LAYOUT_S00024

Business Angels sind prophetische Zukunfts­forscher. Sie sagen voraus, in welchen Branchen demnächst die Post abgeht. Dabei verlassen sie sich nicht etwa auf eine Glaskugel – sondern auf ihre unternehmerische Er­fahrung. Dort, wo sie das größte Wachstum vermuten, versorgen sie entsprechende Gründer mit Kapital und Know-how. Ihr Enga­gement ist also durchaus wegweisend. Aus diesem Grund sollten traditionelle Ge­schäftsbanken spätestens jetzt nervös werden. Denn aktuell nehmen immer mehr Investoren sogenannte Fintechs in den Fokus. Diese Anbieter von digitalen bzw. technologischen Finanzinnovationen stehen bereits auf Rang zwei der himmlischen Hitparade. Höher in der Gunst der Investoren rangieren laut aktuellem Business Angels Panel nur noch die Anbieter von E-Business- und Webservices.

40_Seiten_LAYOUT_S00024Zugleich sind die Wagnisfinanzierer offenbar gerade sehr interessiert an neuen Beteili­gungen: Im ersten Quartal dieses Jahres griff gut jeder Zweite in sein Portemonnaie, um neue Geschäftsideen anzuschieben. Übermäßig viel Geld holte er – im Vergleich zum Vorquartal – aber nicht heraus: Die durchschnittliche Investi­tionssumme je Umfrageteilnehmer lag bei 73000 €.

Ein Grund für diesen Sparkurs findet sich auf der Einnahmeseite: Von allen gemeldeten Divestments mündete gut die Hälfte (56 %) auf dem Friedhof – die Beteiligung musste also abgeschrieben werden.

Erstaunlicherweise tat das der Stimmung unter den Investoren keinen Abbruch. Sie bewerteten sowohl ihre Geschäftslage als auch ihre Geschäftsaussichten mit 5,85 Punkten. Selten in der 16-jährigen Geschichte des Panels waren die Werte höher. Die Skala reicht von 1 (=sehr schlecht) bis 7 (=sehr gut).

Die Befragten haben zwar großes Interesse an Finanzinnovationen (s.o.), aber Alternativen zur klassischen Beteiligungsfinanzierung beäugen sie skeptisch. Jedenfalls hat erst jeder Fünfte bei einem Initial Coin Offering (ICO) mitgemacht. Und zwei Drittel schließen diese Option auch in Zukunft für sich kategorisch aus. Hintergrund: Bei einem ICO „erzeugt“ ein Start-up digitale Tokens im Blockchain-Ökosystem und verkauft sie an Unterstützer. Der große Unterschied zur Anteilsveräußerung – etwa im Rahmen eines IPOs (Initial Public Offering) an der Börse – ist, dass bei ICOs in der Regel kein Eigentum am Unternehmen über das Token abgebildet wird. Investoren geben also echte Euros aus und bekommen dafür frisches Kryptogeld, dessen Wertentwicklung nur mittel­bar von der Unternehmensentwicklung ab­hängt. Ein Umfrageteilnehmer bringt es auf den Punkt: „Spannende Sache – aber auch hoch riskant!“

via VDI Nachrichten, sta