19. November 2014

Best Practice: How to get a Business Angel

von Dr. Hubertus Porschen

Zugegebenermaßen: Der Titel hält nicht das, was er verspricht. Warum? Weil er keine Anleitung ist, wie man Business Angels findet; die Anleitung gibt es ohnehin nicht. Hierbei handelt es sich lediglich um einen Erfahrungsbericht, aus dem der Leser seine Schlüsse ziehen kann.

Erste Kontakte zu Business Angels: Da geht was!
Doch zunächst der Reihe nach bzw. von vorne beginnend: Den ersten Kontakt mit Business Angels und auch dem Business Angels Netzwerk Deutschland e.V. (BAND) hatte ich als Student vor ca. 10 Jahren, als ich für/mit meinem alten Arbeitgeber (das Unternehmen ist inzwischen börsennotiert) eine Präsentation für ein Business Angels Netzwerk in Niedersachsen vorbereitete. Während des Vortrages als „Assistent“ dabei, war ich sehr verblüfft über die rege Aktivität und Professionalität des Netzwerkes. Schlussendlich resultierte aus dem damaligem Termin zwar keine Finanzierung, aber ich durfte einige Business Angels im Nachgang kennenlernen und wusste: Hier gibt es Potential! Ich wusste, wenn ich einmal selbst gründe und Investoren suche, finde ich in einem Business Angels Netzwerk mögliche Partner.

App-Arena und iConsultants 
Einige Jahre später, 2009, hatten mein jetziger Geschäftspartner Sebastian Buckpesch und ich die Idee, eine Lösung für standardisiertes Suchmaschinenmarketing zu entwickeln. Wir starteten ambitioniert, lernten das Exist Programm des Bundeswirtschaftsministeriums kennen und sagten uns: „Jetzt oder nie“. Wir wurden hauptberuflich Gründer. 2010 erhielten wir für ein Jahr eine Förderung. Übrigens: Die Richtung unserer Unternehmensidee änderten wir mehrere Male. So wollten wir zunächst, basierend auf der Ursprungsidee, einen Marktplatz für Videokonferenzen und Webinare entwickeln. Fast fertig, merkten wir, dass die Entwicklung „am Markt vorbei ging“ bzw. die Nachfrage hierzu relativ gering war. Wir schauten, was auf dem Markt nachgefragt wurde: Apps waren und sind bis heute ein heißes Thema. Also ersetzten wir Webinare durch (Facebook-)Apps und schon machten wir erste Umsätze. 2011 kamen die ersten Mitarbeiter dazu, der Kundenstamm wuchs und die Marke www.app-arena.com wurde bekannt.

Schnelleres Wachstum notwendig 
Mit unserem Wachstum ging allerdings auch das Wachstum der Wettbewerber einher. Auch ausländische Firmen drängten auf den Markt und wir mussten unser Wachstum beschleunigen. Nach interner Diskussion war uns klar: Business Angels müssen her. Warum Business Angels und keine andere Finanzierung? Aus zwei Gründen: Kapital und Know-how. Haben wir den richtigen Zeitpunkt gewählt? Um einen gewissen Unternehmenswert vertreten zu können, sollte sicherlich zumindest ein „beta-proof of concept“ da sein. Umsätze und potente Kunden tragen sicherlich auch dazu bei, Vertrauen beim Investor zu gewinnen. Zudem sollte eine klare Wachstumskurve erkennbar sein. Je professioneller (Personal, Marketing, Vertrieb, Prozesse) das Start-up aufgestellt ist, desto besser die Chancen, eine hohe Bewertung durchzusetzen.

Nach ersten Verhandlungen mit einem Schweizer Investor, die unmittelbar vor dem Notartemin scheiterten, haben wir hieraus Rückschlüsse gezogen, dass wir unsere Bedingungen transparenter definieren müssen. Wir haben festgeschrieben, wie hoch die Bewertung des Unternehmens ist, welche Punkte eines Beteiligungsvertrages für uns verhandelbar sind und welche nicht. Des Weiteren haben wir genau definiert, welche Eigenschaften unsere Partner haben sollen. Eine gründliche Vorbereitung hilft bei den späteren Verhandlungen sehr.

iConsultants und die Frankfurter Business Angel
Anfang 2013 haben wir - neben drei anderen Unternehmen - nach einer zentralen One-Pager Bewerbung über BAND, unsere Geschäftsidee vor ca. 50 Frankfurter Business Angels präsentiert. Die Präsentationsdauer lag bei zehn Minuten. Die Resonanz war beeindruckend. Wir hatten im Anschluss an unseren „Pitch“ ca. 15 Interessenten. Mit Günter Christmann konnten wir glücklicherweise einen „Verhandlungsführer“ gewinnen, der über reichhaltige Erfahrungen verfügt. Nach nur wenigen Monaten konnten wir eine Finanzierungsrunde mit insgesamt vier Business Angels im sechsstelligen Bereich abschließen.

Was waren nun die ausschlaggebenden Gründe für ein Investment der Business Angels bei iConsultants? Meine Antwort hierauf lautet (allerdings sollte diese durch einen unserer Business Angel direkt verifiziert werden): Das Team und der Fortschritt des Unternehmens. Wir haben uns als Team mit drei operativen Managern präsentiert, welche sämtliche Bereiche des Unternehmens koordinieren (Tom Storch kam im Laufe des Jahres 2012 zu den iConsultants und erwarb Anteile durch Gehaltsverzicht). Mit dem Fortschritt des Unternehmens meine ich, dass wir auf das Geld nicht zwingend angewiesen waren. Es handelte sich um reines Wachstumskapital. Umsätze waren schon da. Unsere Verhandlungsposition hat sich zudem dadurch verbessert, dass wir (natürlich transparent kommuniziert) mit einem Inkubator und einem weiteren Investor verhandelt haben. Wir haben uns so in keine große Abhängigkeit begeben.

Fazit und Status Quo
Bis heute sind wir mit unseren Business Angels sehr zufrieden. Wir konnten wesentlich professioneller werden, nicht nur in unseren Prozessen sondern auch im Personal- und Rechtsbereich. Unsere Kennzahlen und unser Controlling werden kontinuierlich weiter entwickelt. Allerdings „fordern“ wir unsere Business Angels auch. Aktive Workshops und Arbeitsgruppen machen die Zusammenarbeit effizient. Gründern kann ich nur empfehlen, sich an ein Business Angel Netzwerk zu wenden und sich auch von kurzfristigen Absagen nicht entmutigen zu lassen.

Zum Autor Dr. Hubertus Porschen

Dr. Hubertus PorschenDr. Hubertus Porschen hat zusammen mit Sebastian Buckpesch die iConsultants GmbH gegründet und ist seitdem Geschäftsführer. Sein Verantwortungsbereich umfasst die Bereiche Marketing und Vertrieb sowie die Ressorts Finanzierung und Budgetierung. Des Weiteren doziert er auf Konferenzen und Tagungen zu Themen rund ums Social Web. Vorzugsweise beschäftigt er sich mit der Transformation von Geschäftsmodellen aus der “Old Economy” in die “digitale Welt”. Social Media und Facebook, Foursquare und Instagram sind längst keine Spielerei mehr, sondern müssen von Unternehmen genutzt werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Hubertus Porschen hat in Marburg Wirtschaft studiert und dort bereits während seines Studiums unternehmerische Erfahrungen in inzwischen börsennotierten Start-ups gesammelt. Im Anschluss hat er parallel zum Aufbau einer E-Commerce Agentur seine Dissertation mit dem Titel „Der akademische Unternehmer: Ein Modell für unternehmerische Universitäten“ verfasst und mit Prädikat abgeschlossen.

Mehr Informationen zu den Unternehmen:

www.app-arena.com

www.iconsultants.eu